«

»

Nov 30

ErneuerbareEnergien.de: Stadtwerke Haßfurt verschieben Ökostrom ins Gasnetz

 

Stadtwerke Haßfurt verschieben Ökostrom ins Gasnetz

 

12.09.2016

Power-to-Gas

Stadtwerke Haßfurt verschieben Ökostrom ins Gasnetz

Die Stadtwerke im bayerischen Haßfurt haben zusammen mit Greenpeace Energy eine Power-to-Gas-Anlage in Betrieb genommen, die nicht direkt verbrauchten Strom aus den vielen Solar- und Windkraftanlagen im eigenen Netz verbraucht. Auf diese Weise nutzen die Haßfurter die riesigen Speicherkapazitäten des Gasnetzes. Gleichzeitig erproben sie einen hohen Wasserstoffanteil im Gasnetz.

 - Die Aufspaltung von Wasser in seine Elemente und die Einspeisung des Wasserstoffs ins Gasnetz gilt als eine vielversprechende Technologie, die in der Lage ist, Ökostrom auch saisonal zu verschieben. Der zulässige Anteil von Wasserstoff im Gasnetz ist aber begrenzt.

Die Aufspaltung von Wasser in seine Elemente und die Einspeisung des Wasserstoffs ins Gasnetz gilt als eine vielversprechende Technologie, die in der Lage ist, Ökostrom auch saisonal zu verschieben. Der zulässige Anteil von Wasserstoff im Gasnetz ist aber begrenzt.
DLR

Greenpeace Energy hat zusammen mit den Städtischen Betrieben im bayerischen Haßfurt eine neue Power-to-Gas-Anlage in Betrieb genommen. Der modern PEM-Elektrolyseur trennt mit dem nicht zum Produktionszeitpunkt verbrauchten Strom aus den nahegelegenen Photovoltaik- und Windkraftanlagen Wasser in seine Bestandteile auf. Unter anderem wird hier auch der überschüssige Strom aus dem Bürgerwindpark Sailershäuser Wald verbraucht, der immerhin 30,9 Megawatt leistet. Insgesamt wird der Elektrolyseur mit einer Leistung von 1,25 Megawatt jedes Jahr etwa eine Million Kilowattstunden Wasserstoff produzieren und ins Gasnetz einspeisen.

Power-to-Gas bietet Versorgungssicherheit

Auf diese Weise kann der zu viel produzierte Ökostrom langfristig gespeichert werden. Der Vorteil: Die Windkraft- und Solaranlagen müssen nicht abgeregelt werden, wenn der Strom zum Zeitpunkt der Produktion keinen Abnehmer findet. Die Projektpartner verweisen auf Studien, die belegen, dass im Zuge der Energiewende die Stromüberschüsse aus solchen volatilen Erzeugungsanlagen stark anwachsen werden.

Mit dem Verbrauch dieses Stroms zur Herstellung von Wasserstoff ließe sich selbst bei einem vollständig erneuerbaren Energiesystem längere windstille und sonnenarme Phasen von bis zu drei Monaten überbrücken. Die notwendige Kapazität für diese Versorgungssicherheit bei solchen Dunkelflauten biete in Deutschland einzig die Power-to-Gas-Technologie. Denn sie kann die riesigen und vor allem schon vorhandenen Speicherkapazitäten des Gasnetzes inklusive seiner unterirdischen Lager nutzen. „Nur so lassen sich die deutschen Klimaziele erreichen und zugleich eine sichere Energieversorgung auch bei 100 Prozent Ökostrom realisieren“, ist sich Nils Müller, Vorstand bei Greenpeace Energy sicher. „Mit unserem Haßfurter Partner zeigen wir, wie sich dieses Prinzip erfolgreich in die Tat umsetzen lässt.“

Wasserstoff wird nicht methanisiert

Das gesamte Projekt hat aber auch noch einen Forschungsansatz. Denn die Partner verzichten mit Absicht auf die anschließende Methanisierung des Wasserstoffs, bevor das Gas ins Netz eingespeist wird. Die Speicherkapazitäten des Gasnetzes sind so groß, dass selbst der in Haßfurt erzeugte Wasserstoff die Mischungsverhältnisse kaum durcheinander bringt. Denn allgemein geht man davon aus, dass das Gas im Netz nur maximal zwei Volumenprozent Wasserstoff einhalten sollte. Die technischen Regeln erlauben maximal fünf Prozent Wasserstoff. Bei fortschreitender Energiewende und konsequenter Anwendung der Power-to-Gas-Technologie rechnet man mittelfristig mit einem Volumenanteil von acht Prozent Wasserstoff im Gasnetz. Steigt der Wasserstoffanteil im Gasnetz ist das Risiko, dass Leitungen und Speicher angegriffen werden, höher, als wenn nur Methan durch die Rohre strömt.

Außerdem könnten technische Anlagen, die das Gas aus dem Netz verbrennen, beeinträchtigt werden und der Kohlenmonoxidanteil im Abgas steigen. Schließlich verbraucht auch der Wasserstoff bei der Verbrennung Sauerstoff, der dann nicht mehr für die Verbrennung des Methans zur Verfügung steht. Bei unvollständige Methanverbrennung entsteht wiederum mehr Kohlenmonoxid, als wenn die Sauerstoffkonzentration höher ist. Für den Betrieb von kleineren Gasheizungen ist ein höherer Wasserstoffanteil kein Problem. Das haben der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und der Energieversorger Eon bereits im vergangenen Jahr mit einem Test in Schleswig-Holstein herausgefunden. So haben sich weder der Verschleiß der Geräte noch die Kohlenmoxidkonzentration in den Abgasen durch einen höheren Wasserstoffanteil erhöht.

Zehn Prozent Wasserstoff ausprobieren

Allerdings gibt es noch Bedenken hinsichtlich des Betriebs von Tanks in Erdgasautos und vor allem von Gasturbinen. Letzteres wollen Greenpeace Energy und die Stadtwerke Haßfurt jetzt testen. Dazu wird die Mälzerei Weyermann im 20 Kilometer entfernten Bamberg ausprobieren, wie das firmeneigene Blockheizkraftwerk auf ein Gasgemisch mit zehn Prozent Wasserstoffanteil reagiert.

Ein zweiter Ansatz der Haßfurter ist die Systemstabilität. Denn Die Stadtwerke selbst betreiben neben dem 30-Megawatt-Windpark noch eigene Solaranlage mit einer Gesamtleistung von 95 Megawatt. Dazu kommen noch die privaten Solaranlagen im Netzgebiet, die ebenfalls volatil ihren Strom einspeisen. Deshalb brauchen die Haßfurter Stadtwerke dringend einen Regler, der die Einspeisung und den Verbrauch von Strom stärker synchronisiert. Diese Regelleistung wird jetzt der Elektrolyseur übernehmen und auf diese Weise das Stromnetz der Stadtwerke Haßfurt stabil halten. (Sven Ullrich)

 

1 Kommentar

  1. Gerti Stiefel

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    wir freuen uns sehr, dass die ENBW zum Zwecke der Baugenehmigung von 230 Meter hohen Windkraftanlagen auf der Gemarkung Adelberg den Antrag auf Aufhebung des Tötungsverbotes nach §44 des Bundesnaturschutzgesetztes zurückzieht und somit unserer Stellungnahme an das RP entspricht.

    Wir haben dies in unserer Stellungahme bereits gefordert : hier ein Auszug aus der Stellungnahme

    Zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses an Errichtung und Betrieb der beiden Windenergieanlagen auf Gemarkung Adelberg bestehen nicht. Es besteht auch kein soziales oder wirtschaftliches Interesse an deren Errichtung. An dem Standort liegt nur eine grenzwertige Windhöffigkeit vor, die für ein geringes öffentliches Interesse an der Nutzung der Windenergie spricht. In der hier zu treffenden Abwägung spricht dies gegen die von der EnBW beantragte Errichtung der Windenergieanlagen, zumal keine TR6-konforme Windmessung vorliegt. Auch die räumlichen Gegebenheiten vor Ort sprechen gegen die Errichtung der beiden geplan-ten Windkraftanlagen.
    Im Projektgebiet wurden sieben Revierzentren von mindestens drei windkraftempfindlichen Vogelarten gutachterlich festgestellt, außerdem ein Rotmilan-Dichtezentrum. Jedes Jahr ist von mindestens 20 betroffenen Individuen aller drei Arten auszugehen.
    Gemäß den vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz am 1.7.2015 heraus-gegebenen „Hinweisen zu artenschutzrechtlichen Ausnahmen vom Tötungsverbot bei windenergieempfindlichen Vogelarten bei der Bauleitplanung und Genehmigung von Windenergieanlagen“ kommt beim Rotmilan (Milvus milvus) eine artenschutzrechtliche Ausnahme in Dichtezentren nicht in Betracht, da Verluste in den Dichtezentren als populationsrelevant anzusehen sind.
    Daraus ergibt sich, dass dem Artenschutz im Plangebiet – insbesondere aufgrund des Rotmilan-Dichtezentrums – eine besonders hohe Bedeutung zukommt, und dem ein bestenfalls geringes öffentliches Interesse an der Nutzung der Windenergie gegenübersteht. Somit überwiegt zweifels-frei der Artenschutz und die Erteilung einer artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung vom Tötungsverbot nach § 45 Abs. 7 Satz 1 Nr. 5 BNatSchG kommt somit nicht in Betracht.
    Der Verein Mensch Natur fordert Sie im Namen aller Mitglieder auf, den Antrag auf artenschutzrechtliche Ausnahme der EnBW abzulehnen.

    Mit freundlichem Gruss
    Gerti Stiefel, 1. Vorsitzende Verein Mensch Natur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>