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Okt 08

Schwäbische Post: Gras über der Stromautobahn

 

http://www.schwaebische-post.de/ueberregional/suedwest/1520674/

Gras über der Stromautobahn

Serie von 40 Informationsveranstaltungen über „SuedLink“ beginnt in Leingarten ohne nennenswerten Protest.
Ralf Steinbrenner, Bürgermeister von Leingarten, sieht seine Gemeinde vor einem epochalen Ereignis: „Die Schlagader der Nation wird hier ankommen.“ Damit meint er die geplante Verlegung eines Erdkabels von der Nordsee bis in seine Kommune bei Heilbronn. Ursprünglich sollte der Windstrom aus dem Norden mittels Leitungen und Stahlmasten in den Süden geleitet werden. Wegen Widerständen aus der Politik – Bayern Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von „Monstertrassen“ – und aus der Bevölkerung, wird nun das etwa 15 Zentimeter dicke Kabel 1,80 Meter tief im Boden verlegt. 700 Kilometer wird diese „Stromautobahn“ lang sein, davon 100 Kilometer auf baden-württembergischem Gebiet. Wenn einmal alles fertig ist, wird Gras darüber wachsen.Das Umweltministerium, das auch für die Energiewirtschaft verantwortlich ist, und der Netzbetreiber Transnet haben zum „Bürgerdialog“ in die Leingartener Festhalle eingeladen, dem ersten von insgesamt 40 in sechs Bundesländern. Gut 100 Interessierte waren gekommen. Sie konnten sich von rund 20 Experten an fünf „Themeninseln“ alle Fragen detailliert beantworten lassen. Etwa nach der Entschädigung für Grundstücksbesitzer: 20 Prozent des Verkehrswerts. Nach Beschränkungen auf der 15 Meter breiten Trasse: Landwirtschaft ja, keine Bäume, keine Häuser. Wie sieht es mit der Erwärmung aus? Das Kabel wird bis zu 40 Grad warm, laut einer Freiburger Studie ist dies „bodenökologisch unbedeutend“. Eine Gefahr für die Bevölkerung, wie von einer Frau befürchtet, bestehe auch bei einem Terroranschlag auf den Konverter (Umwandler) in Leingarten nicht, versicherte Transnet-Geschäftsführer Werner Götz: „Da ist nichts, was explodieren könnte.“

Man konnte aber auch zuhören, was Minister Franz Untersteller (Grüne) über das mit zehn Milliarden Euro teuerste Infrastrukturprojekt der Energiewende zu sagen hat. Die Kosten seien „nichts, was diese Volkswirtschaft umbringt“. Doch mit der Graben-Lösung verzögert sich die Fertigstellung. Zwar wird von allen Seiten betont, dass das allerletzte Atomkraftwerk in Neckarwestheim spätestens am 31. Dezember 2022 abgeschaltet wird. Aber „SuedLink“, wie die verkabelte Stromzufuhr heißt, wird erst 2025 fertig. Diese Lücke von drei Jahren sei unproblematisch, weil Reservekraftwerke vorgehalten werden müssen. Diese Reserve dürfte um die vier Milliarden Euro Kosten. „Die Versorgungssicherheit ist nicht gefährdet“, betonte Untersteller. Ihm liegt daran, dass „SuedLink“ möglichst rasch ans Netz gehen kann, denn für die Überbrückung müssten „nicht selten alte Kohlekraftwerke mit entsprechend hohen CO2-Werten“ betrieben werden.

Die öffentliche Aussprache ist auch ganz im Sinn des Bundesnetzagentur. „Das Genehmigungsverfahren soll nicht am Bürger vorbei geführt werden“, erklärte der für den Netzausbau zuständige Abteilungsleiter Matthias Otte. Er versprach „volle Transparenz“.

Am Trassenverlauf wird schon intensiv getüftelt. Dafür wurden Korridore ausgesucht, die bis zu einen Kilometer breit sind. Nun geht es an die Feinabstimmung. Dabei sollen die ortskundigen Bürger mithelfen. Sie können nicht nur ihre Bedenken einbringen, sie können auch auf unerwartete Hindernisse wie Quellen, Neubaugebiete, Windparks hinweisen, die noch nicht in den Unterlagen verzeichnet sind.

© HANS GEORG FRANK 08.10.2016 07:46

1 Kommentar

  1. Josef Kowatsch

    Könnt ihr euch noch erinnern? Diese Süd-Link Stromautobahn, die längste von allen, sollte einmal in Hüttlingen enden, mit dem dazugehörigen riesengroßen Konverter. Wir von der Bürgerinitiative zusammen mit der Gemeinde haben diese Stromautobahn nach Hüttlingen im Alleingan verhindert. Kein Politiker oder Landrat, aber auch keine anderen Bürgerinitiativen haben uns dabei unsterstützt.
    Wißt ihr auch noch wie wir das verhindert haben? Es waren die 5000 Eingaben, die aus Hüttlingen gekommen sind – Initiator Bernd Schatzinger- und es waren die mehrseitigen Einwendungen der BI, der Gemeinde und der Bürgerliste. Argumente, welche die Bundesnetzagentur überzeugt haben und sie hat den Endpunkt Hüttlingen gestrichen. Damals haben wir mit der gesamten Gemeinde noch aktiv an einem Strang gezogen. Wie hat mir der ehemalige Bürgermeister Brobeil einmals gesagt: Gegen eine Gemeinde kommt man nie an, wenn man sich einig ist. Und ich füge hinzu: ” Und wenn alle an einem Strang ziehen und nicht nur ein paar.,”

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